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Voraussichtlich im Winter 2022

Stefanos Pavlakis:
MATERIAL CITIES: [CORRUGATED]

Built on several hills hosting three million people, Antananarivo, the capital of Madagascar, abruptly transitions into rice fields on all sides. The city is defined by two materials: mud bricks and corrugated steel. Countless corrugated steel and aluminum fences weave their way throughout the capital and its outskirts. The material itself is relatively cheap and locally produced, thus is used for everything, from fencing for construction sites and barriers to close off roads or keep the public off of private property, to an all-purpose construction material used to seal unbuilt houses, to designate fields and stables and to protect urban farmland or sacred sites.

When it rains, the water falls onto the wavy steel roofs making the city sound like one huge industrial instrument. Material Cities is meant as a playful homage to Object Oriented Ontology, a vein of philosophy that holds that Western thought has been calibrated by an exclusive focus on human life, with severe implications for understanding our species’ dependencies on other life forms and on inorganic matter. What if mundane materials were enigmatic forces?

MATERIAL CITIES: [CORRUGATED]

Erbaut auf mehreren Hügeln, die drei Millionen Menschen beherbergen, geht Antananarivo, die Hauptstadt von Madagaskar, zu allen Seiten abrupt in Reisfelder über. Zwei Materialien prägen die Stadt: Lehmziegel und Wellblech. Unzählige Wellblech- und Aluminiumzäune ziehen sich durch die Hauptstadt und ihre Außenbezirke. Das Material selbst ist relativ billig und wird vor Ort hergestellt, daher wird es für alles verwendet: von der Umzäunung von Baustellen und Barrieren, um Straßen abzusperren oder die Öffentlichkeit von Privatgrundstücken fernzuhalten, bis hin zu einem Allzweck-Baumaterial, das verwendet wird, um ungebaute Häuser abzudichten, Felder und Ställe zu kennzeichnen und städtisches Ackerland oder heilige Stätten zu schützen.
Wenn es regnet, fällt das Wasser auf die gewellten Stahldächer und lässt die Stadt wie ein einziges riesiges industrielles Instrument ertönen.
Material Cities ist eine spielerische Hommage an die objektorientierte Ontologie, eine Richtung der Philosophie, die davon ausgeht, dass das westliche Denken durch den ausschließlichen Fokus auf das menschliche Leben kalibriert wurde, was schwerwiegende Folgen für das Verständnis der Abhängigkeiten unserer Spezies von anderen Lebensformen und anorganischer Materie hat.
Was wäre, wenn alltägliche Materialien rätselhafte Kräfte wären?

Stefanos Pavlakis 2020

 


Voraussichtlich Anfang 2023

Angela Bröhan
Konstruktion – Dekonstruktion
Architekturcollagen

 

© Angela Bröhan


Charly Hall
Meine Gedanken sind Wald

Ausstellung vom 15. April bis 13. Mai 2023

 

 

Charly Hall: Meine Gedanken sind Wald

Im ersten Winter der Coronapandemie, Ende November 2020, hat es sich Charly Hall zur Aufgabe gemacht, zu Fuß von München nach Paris zu gehen. Diesen Weg hat er mit Kamera, Papier und Stift dokumentiert. Das dabei entstandene Werk ist zart und poetisch. Es zeigt in Nebel gehüllte Eindrücke der Winterlandschaft im Süden Deutschlands. Gleichzeitig scheint es den mentalen Zustand dieses Winters in einer globalen Krise zu schildern, in der sich der Verlauf von Zeit zugleich verlangsamt und beschleunigt zu haben scheint. Es erzählt von Einsamkeit und einer geradezu existentiellen Erfahrung, an der Grenze zur Selbstqual.

Der Filmemacher Werner Herzog, dessen Werk für Hall seit seiner Kindheit prägend ist, inspirierte ihn zu seiner Reise. Herzog hielt seinerseits diese Reise mit allen ihren Stationen, die er 23.11. bis 14.12.1974 zu Fuß unternahm, in einem Notizbuch fest. Seinem Reisebericht gab er den Titel „Vom Gehen im Eis“. Anlass für diesen Marsch war die schwere Erkrankung der Filmkritikerin und geistigen Mutter des neuen deutschen Films, Lotte Eisner, die in ihrer Wohnung in Paris dem Sterben nahe lag. In einem beschwörenden Duktus beschreibt Herzog, wie er sie vom Sterben abhalten will, indem er diese Pilgerreise auf sich nimmt.

Halls akribisch genauer Nachvollzug dieser Reise, exakt am gleichen Tag 46 Jahre später beginnend, genau die gleiche Route nehmend, hat er selbst als den Versuch beschrieben, der „ekstatischen Wahrheit“, die Herzog in seinen Filmen auszudrücken versucht, nahe zu kommen und dieser nachzuspüren. Der Nachvollzug dieses Weges lässt sich als Reflexion über das Wesentliche des Lebens lesen, eine Frage, wie die Natur zum Spiegel der Befindlichkeit wird, und zugleich ein Porträt über den Zustand Deutschlands in der Pandemie – nicht, wie man es vermuten könnte in der Mitte einer Großstadt, sondern in der Peripherie.

Die Fotografien sind menschenleer, grauer Himmel und Feldwege lösen sich mit ebenso wenig farbintensiven Dorfrändern ab. Halls Reisenotizen erzählen von dem deutschen Topos, dem Wald, der den Künstler immer weiter absorbiert, sodass sich zwischenzeitlich die Grenzen zwischen dem Mensch und der Natur aufzulösen scheinen – die Gedanken zu Wald werden. Als die Natur den Wanderer wieder in die Zivilisation entlässt, ist das Misstrauen der Dorfbewohner:innen gegenüber dem einsamen Wanderer spürbar. Diesem auf sich selbst Zurückgeworfen-sein, eine Erfahrung, die in dieser Phase des Lockdowns eine kollektive war, vermag Hall mit seinem Fotoessay eine poetische Form zu verleihen.