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TOUCH – EINGRIFFE IN DIE FOTOGRAFISCHE OBERFLÄCHE

Silke Helmerdig, Stefanos Pavlakis, Jens Schünemann, Sabine Wild

Silke Helmerdig, Stefanos Pavlakis, Jens Schünemann und Sabine Wild präsentieren Fotografien, die durch einen manuellen, teils gewaltsamen, manchmal zärtlichen Eingriff in das Ausgangsmaterial neu interpretiert werden. Silke Helmerdig zerkratzt, Jens Schünemann zerknickt, Stefanos Pavlakis zerreißt, Sabine Wild verwebt. Diese Eingriffe entstellen die makellosen, aus einer kontaktlosen Distanz aufgenommenen Apparatebilder. Sie hinterlassen sichtbare Spuren, die sowohl von den Auseinandersetzungen der Künstler*innen mit dem jeweils abgebildeten Sujet als auch mit der Materialität von Fotografie an sich zeugen.

Vernissage: Samstag, 04.03.2023, 19:00 – 21:00
Finissage: Samstag, 08.04.2023, 15:00 – 21:00

Ausstellung vom 05.03.2023 – 08.04.2023
open: Fr 18:00 – 21:00, Sa + So 15:00 –18:00

Eine Ausstellung im Rahmen des EMOP Berlins.


© Silke Helmerdig

 

© Stefanos Pavlakis

 

© Jens Schünemann

 

© Sabine Wild

 


Charly Hall
Meine Gedanken sind Wald

Vernissage: Samstag, 15.04.23, 19:00 – 21:00
Finissage: Samstag, 13. Mai, 15:00 – 21:00 

Ausstellung vom 16. April bis 13. Mai 2023
open: Fr 18:00 – 20:00, Sa 15:00 – 18:00, So 12:00 – 15:00

 

 

Meine Gedanken sind Wald / My thoughts are wood

Im ersten Winter der Corona-Pandemie, Ende November 2020, hat es sich Charly Hall zur Aufgabe gemacht, zu Fuß von München nach Paris zu gehen. Diesen Weg hat er mit Kamera, Papier und Stift dokumentiert. Das dabei entstandene Werk ist zart und poetisch. Es zeigt in Nebel gehüllte Winterlandschaften im Süden Deutschlands. Gleichzeitig scheint es den mentalen Zustand dieses Winters in einer globalen Krise zu schildern, in der sich der Verlauf von Zeit zugleich verlangsamt und beschleunigt zu haben scheint. Es erzählt von Einsamkeit und einer geradezu existentiellen Erfahrung, an der Grenze zur Selbstqual.

Der Filmemacher Werner Herzog, dessen Werk für Hall seit seiner Kindheit prägend ist, inspirierte ihn zu seiner Reise. Der Regisseur unternahm seinerseits diese Pilgerreise im Jahre 1974, um die Mutter des Neuen Deutschen Films, Lotte Eisner, vom Sterben zu bewahren. Halls akribisch genauer Nachvollzug dieser Reise, exakt am gleichen Tag 46 Jahre später beginnend, lässt sich als Reflexion über das Wesentliche des Lebens lesen, eine Frage, wie die Natur zum Spiegel der Befindlichkeit wird, und zugleich ein Porträt über den Zustand Deutschlands in der Pandemie – nicht, wie man es vermuten könnte im Zentrum einer Großstadt, sondern in der Peripherie. Halls Reisenotizen erzählen von dem deutschen Topos, dem Wald, der den Künstler immer weiter absorbiert, sodass sich zwischenzeitlich die Grenzen zwischen dem Mensch und der Natur aufzulösen scheinen – die Gedanken zu Wald werden.

During the first winter of the corona pandemic, at the end of November 2020, Charly Hall made it his mission to walk from Munich to Paris. He has documented that journey with a camera, paper and pen. The resulting work is delicate and poetic. It shows impressions of a winter landscape shrouded in fog, in southern Germany. At the same time, it seemingly depicts the mental state of that winter during a global crisis, in which the passage of time seems to have both, slowed down and accelerated. It speaks of loneliness and an almost existential experience, bordering on self-torment. The filmmaker Werner Herzog, whose work has been formative for Hall since his childhood, inspired him to undertake his journey. The reason for Herzog’s walk in 1974 was his wish to prevent the spiritual mother of New German Cinema, Lotte Eisner, from dying. Hall’s meticulous reenactment of this journey, starting on the exact same day 46 years later, can be read as a reflection on the fundamentals of life, a question of how nature becomes a mirror of one’s state of mind, and at the same time, a portrait of the state of Germany during the pandemic – not, as one might expect, in the center of a big city, but on the periphery. Hall’s travel notes speak of the German topos, the wood, which continues to absorb the artist, occasionally dissolving the boundaries between man and nature – thoughts become wood.

Über / about Charly Hall 

Charly Hall lebt und arbeitet in Berlin. Mit Wörtern und Bildern spürt er inneren Landschaften nach und taumelt dabei zwischen Dokumentation und Fiktion. Halls Arbeiten wurden in mehreren Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem im C/O Berlin, im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte und im Willy-Brandt-Haus. Dies ist seine dritte Einzelausstellung.

Charly Hall lives and works in Berlin. With words and images, he traces inner landscapes, teetering between documentary and fiction. Hall’s work has been shown in several group exhibitions, as at C/O Berlin, Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte and Willy-Brandt-Haus. This is his third solo exhibition.

 


coming 2023

Stefanos Pavlakis:
MATERIAL CITIES: [CORRUGATED]

Built on several hills hosting three million people, Antananarivo, the capital of Madagascar, abruptly transitions into rice fields on all sides. The city is defined by two materials: mud bricks and corrugated steel. Countless corrugated steel and aluminum fences weave their way throughout the capital and its outskirts. The material itself is relatively cheap and locally produced, thus is used for everything, from fencing for construction sites and barriers to close off roads or keep the public off of private property, to an all-purpose construction material used to seal unbuilt houses, to designate fields and stables and to protect urban farmland or sacred sites.

When it rains, the water falls onto the wavy steel roofs making the city sound like one huge industrial instrument. Material Cities is meant as a playful homage to Object Oriented Ontology, a vein of philosophy that holds that Western thought has been calibrated by an exclusive focus on human life, with severe implications for understanding our species’ dependencies on other life forms and on inorganic matter. What if mundane materials were enigmatic forces?

MATERIAL CITIES: [CORRUGATED]

Erbaut auf mehreren Hügeln, die drei Millionen Menschen beherbergen, geht Antananarivo, die Hauptstadt von Madagaskar, zu allen Seiten abrupt in Reisfelder über. Zwei Materialien prägen die Stadt: Lehmziegel und Wellblech. Unzählige Wellblech- und Aluminiumzäune ziehen sich durch die Hauptstadt und ihre Außenbezirke. Das Material selbst ist relativ billig und wird vor Ort hergestellt, daher wird es für alles verwendet: von der Umzäunung von Baustellen und Barrieren, um Straßen abzusperren oder die Öffentlichkeit von Privatgrundstücken fernzuhalten, bis hin zu einem Allzweck-Baumaterial, das verwendet wird, um ungebaute Häuser abzudichten, Felder und Ställe zu kennzeichnen und städtisches Ackerland oder heilige Stätten zu schützen.
Wenn es regnet, fällt das Wasser auf die gewellten Stahldächer und lässt die Stadt wie ein einziges riesiges industrielles Instrument ertönen.
Material Cities ist eine spielerische Hommage an die objektorientierte Ontologie, eine Richtung der Philosophie, die davon ausgeht, dass das westliche Denken durch den ausschließlichen Fokus auf das menschliche Leben kalibriert wurde, was schwerwiegende Folgen für das Verständnis der Abhängigkeiten unserer Spezies von anderen Lebensformen und anorganischer Materie hat.
Was wäre, wenn alltägliche Materialien rätselhafte Kräfte wären?

Stefanos Pavlakis 2020

 


coming 2023

Angela Bröhan
Konstruktion – Dekonstruktion
Architekturcollagen

 

© Angela Bröhan